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Umwelt

Tierschutz

Jeder dumme Junge kann einen Käfer zertreten. Aber alle Professoren der Welt können keinen herstellen.
(Arthur Schopenhauer)

Es ist schwierig, das Thema Tierschutz in einem Artikel zu behandeln. Die Schilderung der Ausgangsposition, das Hier und Jetzt, nicht zuletzt auch als Ergebnis völlig falscher politischer Entscheidungen, ist so wenig einladend wie nur irgendetwas. Würde man den Artikel noch so bebildern wie es die mitschreibende Seele herausschreien möchte, würde ihn jeder überblättern.

Unsere Gesellschaft ist krank, sehr krank. Die gelebte Hybris zwischen Markt und Moral, zwischen politischem Postulat und gedankenlos akzeptierter Wirklichkeit kommt dabei nicht ohne Vertuschung und handfeste Lügen aus.

 

PETA zeigt die Analogie von Gewalt auf

 

Selbstverständlich spiegelt sich auch hier das Große im Kleinen – und umgekehrt. Die Tierschutzorganisation PETA beginnt damit sogar ihren Auftritt im Internet. Dort heißt es:

„Dass es einen Zusammenhang zwischen Gewalt gegen Tiere und Gewalt gegen Menschen gibt, haben bereits unzählige Fälle und Studien gezeigt. Der berühmt-berüchtigte Serienmörder Ted Bundy ist nur einer von vielen Menschen, die zuerst Tiere quälten, bevor sie zum Morden von Menschen übergingen. Eine Erklärung hierfür lieferte unter anderem der Humanist Dr. Albert Schweitzer: „Jeder, der sich daran gewöhnt hat, das Leben von Lebewesen allgemein als wertlos zu betrachten, läuft Gefahr, daraus zu schließen, dass auch menschliches Leben wertlos ist.”

Erstaunlich ist diese Aussage nicht, ihre Resonanz allerdings schon. Die offiziellen Zahlen des BKA, jeweils aufgeklärte Delikte mit Beteiligung mindestens eines Zuwanderers offenbaren einen Anstieg schwerer Gewalt in einem Zeitraum von nur vier Jahren. Interessant deswegen, weil die gleichen Delikte unter den sog. „Biodeutschen“ seit Jahren signifikant sinken.
Mord/Totschlag:
2014: 122
2018: 430 (plus 352%)

sexuelle Übergriffe:
2014: 848
2018: 6046 (plus 713%

Körperverletzung etc.:
2014: 18512
2018: 73177 (plus 395%)

 

Man möchte schon dieses Verschweigen näher beleuchten, allein das Thema wird hier nicht behandelt. Die Priorität der alltäglichen menschlichen Verwerfungen blendet augenscheinlich unsere bewusste Wahrnehmung der sonstigen aus: das Quälen von Hunden und Katzen zum Spaß, das Fotografieren von Vögeln beim Todeskampf – wenn man ihnen vorher Flügel oder Beine gebrochen hat, das Schächten von Tieren im Hinterhof oder in der Badewanne, die Tolerierung sog. „religiöser“ Feste, die buchstäblich im Blut waten (das betrifft das Morden von Delphinen und Walen genauso wie das rituelle Schlachten von Schafen) bis hin zu den offiziell verbotenen Delikatessen, wie dem Essen von Hunden, denen man für eine bessere hormonelle Fleischbeschaffenheit vorher ihr Fell bei lebendigem Leibe abgezogen hat.

 

Volker Mariak, Kriminologe, Soziologe und Buchautor schreibt hierzu:

„Da zweifelsfrei von der Relation Gewalt gegen Tiere – Gewalt gegen Menschen auszugehen ist, besteht nicht nur aus ethischer Sicht die gesellschaftliche Pflicht zu präventivem Handeln. Und wenn verantwortliche politische und rechtliche Entscheider nicht im Stande sind, sich zu angemessenem Tierschutz und der Anerkennung eines eigenen moralischen Status der Tiere durchzuringen, dann sollten sie zumindest den Menschenschutz nicht außer Acht lassen. Tierquälerei wäre in diesem reduzierten Sinne immer noch ein Hinweis auf gravierende Persönlichkeitsstörungen und ein Warnsignal vor möglichen Gewaltdelikten gegen Menschen.“

Das FBI hat festgestellt, dass in seinen Computerdaten zu Serienvergewaltigern und -mördern immer wieder Vorgeschichten mit Tierquälerei auftauchen. Eine von der Northeastern University und der Tierschutzorganisation SPCA durchgeführte Studie ergab, dass Menschen, die Tiere quälen, fünfmal wahrscheinlicher Gewalttaten an Menschen verüben können.

Tierschutz in der Europäischen Union

Falsche Toleranz gegenüber fremden Kulturen und ihren befremdlichen Bräuchen ist allerdings nur eine Seite der Divergenz von Anspruch und Wirklichkeit. Besonders in der großen Dimension lohnt es sich, die Politik genauer zu betrachten. Wer ein lebendiges Küken schreddert oder einem Schwein den Ringelschwanz abschneidet, wird – besonders wenn er hier schon länger lebt - bestraft. Anders sieht es aus, wenn man täglich zehntausende Küken in den Muser schippt oder bei hunderten Ferkeln den grausamen Eingriff ohne Betäubung vornimmt. Dann gibt es nämlich plötzlich Subventionen statt einer Strafe. Das ist die Realität in Deutschland wie in ganz Europa, wie sie vielen Menschen gar nicht bewusst ist. 2018 wurden 8,5 Prozent mehr Straftaten mit tierquälerischem Hintergrund begangen als im Vorjahreszeitraum. Die Statistik des Landwirtschaftsministeriums ist leider nicht sehr aussagekräftig. Angaben dazu, wie groß der Anteil von Berufs-Tierhaltern ist und um welche Straftaten es sich genau handelt, wurden nicht gemacht. Im vorigen Jahr wurden in der Polizeilichen Kriminalstatistik 6708 Verstöße gegen Tierschutzvorschriften und damit 524 mehr als noch 2017 erfasst. Drei Viertel der Täter seien Männer. 980 Mal landeten die Fälle vor Gericht und wurden zumeist bestraft. Immerhin sind dies jedoch richtigerweise erfasste Straftaten.

Die mit Abstand meisten Grausamkeiten gegenüber Tieren entstammen allerdings dem behördlichen Schreibtisch. Davor sitzen dann Bürokraten, die oft noch keinen Bauernhof von innen gesehen haben und noch nie vor dem Morgengrauen aufgestanden sind. Bei aller Regelungswut, die sonst von dieser Spezies ausgeht, müssen handfeste Gründe angenommen werden, die das Tierwohl so effektiv aus dem Fokus drängen. Es geht um Geld, sehr viel Geld. Der landwirtschaftliche Umverteilungstopf ist der größte in der EU – und in jeder Haushaltsplanung heiß umkämpft. Gegessen wird immer. Konsum ist die wichtigste Triebfeder kapitalistischen Wachstums. Beim Aufeinandertreffen von Markt und Moral oder von Gier und Ethik, gewinnen immer Markt und Gier. Die Politik dagegen? Fehlanzeige!

Die Praxis der Tiertransporte quer durch Europa, Ferkelkastrationen ohne wirksame Betäubung, das industrielle Schreddern männlicher Küken – man kann diese Liste endlos fortsetzen – behauptet sich deswegen immer wieder auch vor höchsten Gerichten. Noch schlimmer ist nur, wenn erst die EU-Verordnung selbst den status quo verändert und barbarisches Leid verursacht.

Erst kürzlich strahlte das ARD-Magazin „Panorama“ einen Beitrag aus unter der Überschrift: „Horror in Schlachthöfen – Tierquälerei wegen EU-Vorschriften“.

Worum geht es? Vier Millionen Rinder werden jährlich in Deutschland geschlachtet. Die Betäubung der Tiere erfolgt meist mit dem Bolzenschussgerät. Dabei wird ein Stahlstift mehrere Zentimeter tief ins Gehirn geschossen. Bis Anfang dieses Jahres wurden, um Qualen zu verhindern, den Tieren zusätzlich noch die Nerven durchtrennt. Die Bilder von zappelnden Rindern am Schlachthaken lassen an einer ausreichenden Betäubung nur durch den Bolzenschuss zweifeln. Zu häufig kommt es vor, dass ein Tier nach einem schlecht gesetzten Bolzenschuss bereits vor dem eigentlichen Schlachten wieder zu sich kommt. Bei Rindern mit dickem Schädel betäubt der Schuss überhaupt nicht. Ein Schlachter beschreibt: "Die 15 oder 20 Sekunden, die die liegen, können ohne Rückenmarkszerstörer ausreichen, dass das Bewusstsein stückchenweise zurückkommt, zumindest so weit, dass sie Schmerzen empfinden und grobe Wahrnehmungen haben." Die Rinder leben also, mit allen deutlichen Zeichen des Lebens, wenn sie zertrennt werden. Egal. Der Schutz vor BSE, vor Fleischkontamination durch eindringende Nervenpartikel, erschien den Brüsseler Apparaten wichtiger als der Tierschutz. Völlig unabhängig übrigens vom sonstigen medizinischen Befund vor der Schlachtung oder der theoretischen BSE-Häufigkeit: unsere zusätzliche Sicherheit wird mit unfassbarem Leid teuer erkauft. Wer die Bilder brüllender, weinender Rinder gesehen hat, kann darüber lange nachdenken. Schlimme, qualvolle Szenen - für Tiere und ihre Schlächter. Trotz solcher Zustände, die EU-Kommission bleibt dabei: Das Verbot des Rückenmarkszerstörers war richtig. Die Schlachter aber wollen mit aller Macht zurück zum Rückenmarkszerstörer. "Ich stehe übrigens mit dieser Meinung nicht allein", sagt einer. "Es gibt sehr viele Kollegen, die die gleiche Meinung vertreten.“ Allein die Angst vor Schwierigkeiten mit den EU-Behörden lähmt ihr Aufbegehren. Und so bleibt alles wie gehabt. (Quelle: ARD, „Panorama“)

Was passiert beim Überschreiten der EU-Außengrenzen?

Gerechterweise muss man aber auch Verbesserungen zur Kenntnis nehmen. Millionen Tiere werden jedes Jahr durch Europa transportiert, bis nach Nordafrika. Dabei sind Rinder und Schafe oft tage- oder wochenlang eingepfercht auf Lastwagen und Schiffen unterwegs, oft bei unzumutbaren Temperaturen. Niemand schert sich mehr um die Gesetze, sobald unsere Tiere die EU verlassen, verdurstete Rinder sind an der Tagesordnung, eine unsägliche Quälerei auf alten Viehfrachtern und nach der Ankunft im Nahen Osten und Nordafrika. Das Internet speichert dazu unzählige kleine Filme, manchmal von Urlaubern auf den gleichen Autobahn-Rasthöfen und Grenzübergangsstellen gedreht.

Der Europäische Gerichtshof hat unlängst entschieden, dass das Wohl der Tiere bis zum letzten Zielort sichergestellt sein muss. Doch: Niemand kontrolliert die Transporte, wenn sie einmal die EU verlassen haben. Unsere Gesetze sollen also die Tiere bis ans Ziel schützen. Klingt vernünftig, funktioniert jedoch allenfalls bei teuren Zuchttieren. Was die sogenannten „Schlacht“-Tiere betrifft, stellt sich vor allem und immer wieder die eigentliche Grundfrage: Ist es überhaupt notwendig und ethisch vertretbar, Tiere aus Europa und bis aus Südamerika zu transportieren, nur um sie am Ziel zu schlachten? Oft auf eine Art, deren Grausamkeit jede Vorstellung sprengt? Dürfen wir so egoistisch mit letztlich von uns abhängigen Kreaturen umgehen – nur um ein paar Prozent Gewinn mehr zu verbuchen? Und: was macht dieser Umgang mit uns, unseren Gesellschaften? Welchen Preis zahlen wir im menschlichen Miteinander, wenn an sehr vielen Positionen der „Verwertungskette“ (ein furchtbares Wort!) die ethische Verantwortung vor allem Anderen endet?

 

Man erkennt sehr schnell: all diese Fragen laufen auf die gleiche Antwort hinaus. Wir selbst als Menschen sind verroht, gleichgültig vor anderem Leid. Die Industriegesellschaften nehmen – abseits der eigenen Haustiere - die Beziehung zwischen Mensch und Tier oft nur noch abstrakt zur Kenntnis. Damit ist keineswegs der veganen Ernährung das Wort geredet, im Gegenteil. Gesinnung und Ideologie führen in keine Verantwortung, sondern aus ihr heraus. Wir haben es in der Hand, die kulturellen und zivilisatorischen Errungenschaften überall zu verteidigen – auch mit einem konsequenten Eintreten für den Tierschutz. Der morgendlich zufriedene Blick in den Spiegel ist leicht zu haben, billig geradezu. Dabei ist wahre Erkenntnis zu dieser Problematik überall zu finden. Auch bei Alexander von Humboldt: „Grausamkeit gegen die Tiere kann weder bei wahrer Bildung noch wahrer Gelehrsamkeit bestehen. Sie ist eines der kennzeichnendsten Laster eines niederen und unedlen Volkes.“ Der Verweis auf preiswerte Nahrungsmittel ist in diesem Kontext unwürdig.

 

Matthias Moosdorf

 

 

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